Wer glaubt noch an Verschwörungstheorien?

Der aufgeklärte Zeitgenosse kann sich kaum vorstellen, daß Menschen noch an Weltherrschaft glauben. Ein George W. war vielleicht der letzte Machiavellist. Wer heute die Welt zu verändern trachtet, beweist mit infantiler Beliebigkeit seine Unmündigkeit.

Das heißt längst nicht, die Welt wäre friedlicher geworden. Im Gegenteil. Das globale Chaos hat Methode. Rund 60 Kriegsschauplätze muß der Globus ertragen. Nie zuvor sind es mehr gewesen. Zurzeit gibt es auf 5 von 7 Kontinenten (ohne Australien, Antarktis) bewaffnete Konflikte. 2015 starben in Konfliktgebieten mindestens 167.000 Menschen. (wikipedia) Und die Mehrzahl der kriegerischen Auseinandersetzungen geht auf das Konto eines einzigen Friedensnobelpreisträgers.

Mit allumfassendem Moralismus versuchen die VSA ihre einst dominierte Weltordnung mit Hilfe dollarfinanzierter Kombattanten wiederzubeleben.

Die Welt ist multipolarer als jemals zuvor. Militärblöcke zerfallen, wie 1989 im Osten, so heute im Westen. Der Austritt aus der Nato ist für die Türkei nicht mehr fern. Neue Allianzen unterliegen keiner Bestandsgarantie. Je näher der weltweite Finanzzusammenbruch rückt, desto stärker wird die Frage nach dem was in der Krise nützlich sein könnte. Pragmatismus wird ideologische und notfalls auch weltanschauliche Vorbehalte ausklammern. Auch Staaten ist das Hemd dann näher als der Rock.

So wie Deutschland schon längst als historische Größe verschwunden und zum nackten wirtschaftsgeographischen Begriff geworden ist, wird es demnächst auch anderen Nationen ergehen. Verschwinden werden auch Begriffe wie „reich“ und „arm“. Im Tohuwabohu einer zerbröselnden Weltordnung wird es dem Einzelnen allein ums Überleben gehen. „Schutz“, „Nahrungsquelle“ und „Hilfe“ werden Prioritäten – und das Recht des Stärkeren.

Kann die Menschheit – nach einer solchen Erfahrung – zurückfinden zu einem Weg, auf dem „Rücksichtnahme“ und „Verantwortung“ erneut Bedeutung erlangen?

Ganz große Pessimisten meinen, die Gesellschaften könnten aus Not, Verzweiflung und Angst jahrzehntelang nicht herausfinden.

Beitragsbild: pixabay.com

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