Oikophobie

Was will Herr Seehofer mit seinem neuen Heimatministerium bewirken? Will er etwa die seit langem eingeschlagene Richtung ändern? Weiß dieser Bayer nicht, warum deutsche Politiker hinter Schildern her laufen, auf denen steht: „Deutschland verrecke“?

Die Verachtung der eigenen Kultur durch die Eliten und eine fatale linksgrüne Infiltrierung ist doch augenscheinlich. Die GroKo betet doch geradezu den neuen, einheitlichen Weltmenschen herbei. Das Auslöschen aller bisherigen Wurzeln wird funktionieren, wenn nur alle Verbindungen zum Gestern abgeschnitten werden. Linke Utopisten, grüne Heilsträger und kapitalistische Ideologen stehen gemeinsam in der unseligen Verbindung, die gehirngewaschene „Weltbürger“ jeder Couleur im Gleichschritt marschieren lässt: hoffnungslos und grenzenlos im Überwachungsstaat. Das fatale Ende steht vor der Tür.

Thierry Baudet sagt Stopp zu dieser Entwicklung und benennt die Krankheit unserer Zeit Oikophobie. Das ist der Gegensatz zur Angst vor dem Fremden, der Xenophobie. Oikophobie zeichnet sich durch die Abkehr von Geborgenheit und eine gegen das Eigene gerichtete Zerstörungswut aus. Der britische Philosoph Roger Scruton hat diese mentale Störung erstmals detailliert beschrieben. Es sind insbesondere die westlichen Eliten, die von der Oikophobie angetrieben werden.
Thierry Baudet, in den Niederlanden als „konservatives Wunderkind“ gefeiert, versucht in diesem Buch die konkreten Ausprägungen der Oikophobie und deren Konsequenzen nachzuzeichnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei zwar die nationale Souveränität wiederhergestellt worden; gleichzeitig wurde aber vor allem in Europa die Idee bestimmend, dass der souveräne Nationalstaat nicht länger haltbar sei.
Aus einer Haltung, die Baudet als Oikophobie verortet, sei ein Prozess der Entkernung des Nationalstaates angestoßen worden, und zwar über supranationale Instanzen wie die Europäische Union, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, die Welthandelsorganisation und den Internationalen Strafgerichtshof sowie durch eine systematische „Verdünnung“ der homogenen Bevölkerung durch Masseneinwanderung, offene Grenzen und Multikulturalismus.
Dazu komme ein internationaler „Stil“ formloser, modernistischer Gebäude und abstrakter, bedeutungsloser „Kunst“, die das Heimatgefühl der Menschen zerstöre. Viele alte Städte Europas hätten ihre Schönheit und das Vermögen, Geborgenheit zu vermitteln, verloren.
Aus Sicht des Autors stehen wir vor einer historischen Entscheidung. Kann die in den Eliten grassierende Oikophobie und deren Konsequenzen – die mit geistiger Heimatlosigkeit und politischer Enteignung einhergehen – nicht überwunden werden, werden sozialer Unfrieden und die Spannungen zwischen den kosmopolitisch orientierten Eliten und dem „einfachen Volk“ weiter zunehmen. Vor diesem Hintergrund versteht sich das Buch als Plädoyer für die Bewahrung des Eigenen, zu dem der Autor den Nationalstaat als unverzichtbare Größe zählt.

Der Autor

Thierry Baudet (* 1983), gefeiert als „neuer Star der niederländischen Konservativen“, ist eine der markantesten Stimmen in der aktuellen öffentlichen Debatte in den Niederlanden. Gemeinsam mit Michiel Visser veröffentlichte er die erfolgreichen Essaysammlungen „Konservativer Fortschritt“ (2010) und „Revolutionärer Verfall“ (2011). Er war Kolumnist für das NRC Handelsblad und Redaktionsberater des TV-Programms Buitenhof. 2012 erschien „Der Angriff auf den Nationalstaat“ (dt. 2015), das im In- und Ausland Beachtung fand und für den Sokrates-Preis als bestes Philosophiebuch 2012 nominiert wurde. 2014 war er Mitorganisator des Referendums in den Niederlanden über das Assoziierungsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Ukraine, bei dem er für „Nein“ votierte.

Baudet ist Gründer des Forum für Demokratie (FvD). Bei der Parlamentswahl 2017 gelang ihm der Einzug als Abgeordneter in das Parlament der Niederlande. Dort ist er Fraktionsvorsitzender für das FvD.

In seinem Buch WIR WEICHEIER geht Martin van Creveld der Frage nach: Warum wir uns nicht mehr wehren können und was dagegen zu tun ist

Der Terror ist in Europa angekommen und unsere Regierungen scheinen hilflos dagegen. Nicht einmal die primäre staatliche Aufgabe der Grenzsicherung gelingt der EU. Könnte sich Europa heute überhaupt noch militärisch verteidigen? Der Autor ist skeptisch und bezieht die ganze westliche Welt in seine Analyse ein.

Das Problem beginnt schon bei der Erziehung von Kindern und Jugendlichen, die viel stärker kontrolliert und überwacht, zugleich aber weniger gefordert werden als dies in früheren Zeiten der Fall war. Auch Politik und Medien tun, was sie können, um die Verteidigungsbereitschaft zu schwächen.

Detailliert beleuchtet der Militärexperte, wie den Streitmächten Schritt für Schritt die Zähne gezogen wurden, sodass sie heute kaum noch funktionsfähig sind. Auch dem Thema Frauen in Kampfeinheiten widmet er sich kritisch auf der Basis umfangreichen Dokumentationsmaterials. Bezeichnend ist, dass immer mehr westliche Soldaten – etwa in den USA – nach Einsätzen unter „posttraumatischen Belastungsstörungen“ (PTBS) leiden, eine Erkrankung, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg fast keine Rolle gespielt hat, obwohl die Kämpfe und damit auch die psychische Belastungen damals viel höher waren.

Das Fazit des weltbekannten israelischen Militärhistorikers: Europa ist mittlerweile unfähig zur Selbstverteidigung geworden. Das wird unvermeidliche Rückwirkungen auf seine Stellung in der Welt haben. Kann die westliche Welt, kann das Abendland noch gerettet werden? Nach Ansicht Martin van Crevelds nur, wenn eine Reihe von dringend nötigen Maßnahmen ergriffen und entsprechende Schritte eingeleitet werden. Solange bei uns jedoch die Rechte über die Pflichten der Staatsbürger dominieren, werden diese nicht möglich sein.

Der Autor
Martin van Creveld ist einer der wichtigsten und einflussreichsten Militärhistoriker der westlichen Welt. Er ist emeritierter Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Zuletzt erschienen von ihm im Ares Verlag: „Kampfkraft. Militärische Leistung und Organisation der deutschen und amerikanischen Armee 1939–1945“, 5. Auflage, Graz 2016, sowie: „Kriegs-Kultur. Warum wir kämpfen: Die tiefen Wurzeln bewaffneter Konflikte“, Graz 2011.

Beitragsfoto: pixabay.com

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1 Kommentar

  1. Gegen Martin van Creveld hätte ich gewisse Einwände wenn es hier um Vernunft und Frieden gehen soll. Er ist ein Verfechter der sogenannten Samson Option. Das ist die kranke Idee, dass Israel im Falle seines nahe kommenden Untergangs in einer militärischen Auseinandersetzung, Europa mit A-Bomben mitreissen würde. Bereits unter Gold Meir definiert. Die Waffen würden dann vorzugsweise von den geschenkten U-Booten aus eingesetzt. Die Bundesregierung würde das von Aspen aus im TV verfolgen.
    Samson by the way der erste Selbstmordattentäter, zu einer Zeit, als Mohammed noch in Form von Stickstoffmolekülen im Rub al Khali herum diffundierte.

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