Die Jeanne d’Arc von Palästina

Ahed Al Tamimi, 16, wurde in Israel wegen Körperverletzung und Aufstachelung angeklagt, nachdem sie zwei schwer bewaffnete israelische Soldaten geschlagen hatte, als die Familie sich weigerte, ihren Hof im Dorf Nabi Saleh im Westjordanland in der Nähe von Ramallah zu verlassen. Ahed schlug zu, nachdem Soldaten in der Nähe ihren 15 Jahre alten Cousin ins Gesicht geschossen und ihn schwer verletzt hatten. Ihre Mutter, Nariman, befindet sich in Haft, weil sie den Vorfall filmte. Das Video erlangte sehr schnell weite Verbreitung. Während Ahed den meisten Israelis bisher unbekannt gewesen sein mag, ist sie unter Palästinensern ein vertrautes Gesicht. (Auf einem Foto ist erkennbar, wie selbstbewusst Ahed noch bei ihrer Festnahme ist).

Welches Recht besitzt Israel zur Okkupation des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens?

Aus dem Land vertrieben, in der Welt verstreut, und 2000 Jahre später in die Heimat heimgekehrt: So ungefähr sehen sehr viele Israelis ihre Geschichte. Der israelische Historiker Shlomo Sand hält dagegen. Es gab gar keine Vertreibung, keinen Exodus – nein, ein jüdisches Volk hat es auch nicht gegeben. Sein Buch «Die Erfindung des jüdischen Volkes» ist in Israel und in Frankreich zum Bestseller geworden.
Die Bibel berichtet wie die alttestamentarischen Juden auf Befehl ihres Stammesgottes brandschatzend, verwüstend und mordend ihre Nachbarvölker unterjocht haben. Das ist kein Ausnahmefall. Das hat es in der Geschichte überall auf der Welt gegeben – ebenso Menschen, die sich jedweder Unterdrückung entgegen stellten. Video zu: „Die Erfindung des jüdischen Volkes“ (Schlomo Sand)

Im Nahen Osten wird es so lange Unruhen geben, wie das Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung von Israel nicht anerkannt wird.

Die 16-jährige Ahed Tamimi hat möglicherweise eine lange Gefängnisstrafe zu erwarten, weil sie sich ihren Unterdrückern widersetzt und zu einer Ikone in den sozialen Medien geworden ist.

In ihrem Dorf haben Siedler gewaltsam Ländereien des Dorfes und die alte Quelle übernommen, eine lebenswichtige Wasserquelle für eine Gemeinschaft, die von der Landwirtschaft abhängig ist.

Palästinensische Dörfer wie Nabi Saleh werden regelmäßig von Soldaten überfallen. Kinder werden mitten in der Nacht aus ihren Betten gezerrt, wie es Ahed während ihrer Verhaftung im letzten Monat passiert ist, als Vergeltung für ihre Ohrfeigen. Menschenrechtsgruppen dokumentieren, wie Kinder in Haft routinemäßig geschlagen und gefoltert werden.

Viele Hunderte gehen jedes Jahr durch israelische Gefängnisse, die wegen Steinewerfens angeklagt sind. Mit einer Verurteilungsrate von über 99 Prozent vor israelischen Militärgerichten ist die Verurteilung und Inhaftierung solcher Kinder eine Selbstverständlichkeit.

Dennoch sind sie vielleicht diejenigen, die Glück hatten. In den letzten 16 Jahren hat die israelische Armee durchschnittlich 11 Kinder im Monat getötet.

Das Video von Ahed, das wiederholt im israelischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, hat gedroht, das Selbstverständnis Israels als David, der gegen einen arabischen Goliath kämpft, auf den Kopf zu stellen. Dies erklärt die giftige Empörung und Aufregung, die Israel erfasst hat, seit das Video ausgestrahlt wurde.

Vorhersehbar waren israelische Politiker aufgebracht. Bildungsminister Naftali Bennett forderte, Ahed solle „ihr Leben im Gefängnis beenden“. Kulturministerin Miri Regev, eine ehemalige Armeesprecherin, sagte, sie fühle sich persönlich von Ahed „gedemütigt“ und „zerquetscht“.

Noch beunruhigender ist jedoch eine Mediendebatte, die das Versagen der Soldaten, Ahed als Reaktion auf ihre Ohrfeigen zu schlagen, als „nationale Schande“ charakterisiert hat.

Noch düsterer ist die Drohung von Ben Caspit, einem führenden israelischen Analytiker. In einer Kolumne sagte er, dass Aheds Handlungen „das Blut jedes Israelis zum Kochen brachten“. Er schlug vor, sie „im Dunkeln, ohne Zeugen und Kameras“ zu bestrafen, und fügte hinzu, dass seine eigene Form der Rache zu seiner sicheren Inhaftierung führen würde.

Diese Phantasie – kaltblütig gegen ein inhaftiertes Kind zu verstoßen – hätte jeden Israelis krank machen sollen. Und doch sitzt Herr Caspit sicher in seinem Job.

Welche Art Widerstand ist Palästinensern eigentlich erlaubt?

Was erlaubt das Völkerrecht?

Laut dem israelischen Kommentator Gideon Levy zeigt der Fall Ahed, dass die Israelis den Palästinensern nicht nur das Recht verweigern, Raketen, Gewehre, Messer oder Steine zu benutzen, sondern auch das, was er spöttisch als „Aufstand der Ohrfeigen“ bezeichnet.

Ahed Tamimi hat den schießwütigen Tyrannen entlarvt, der in der Seele zu vieler Israelis lauert.

(Quelle)

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