Den Kleinsten beißen die Hunde

Eine Geschichte wie aus den Tagen der Gebrüder Grimm: Ohne diesen „Tag der offenen Tür“, ist sich Heiko Henrich (43) sicher, wäre das alles nicht passiert. „Dann hätte ich meinen Job noch.“ Den Job als Tierpfleger im Zoo von Buntenau. Was war geschehen? Der Reihe nach.

Eine zwei Jahre zurück liegende Affeninvasion zwang die Verantwortlichen, sämtliche Zoos im Lande die fremden Affenhorden aufzunehmen. Es geschah unter schwierigsten Bedingungen, und keiner der Entscheider hatte die leiseste Ahnung von Tierpsychologie. Fachleute wurden nicht befragt und irgendwer meinte leichthin: „Wir schaffen das!“

Die kleinen Leute hatten es auszubaden.

In seinem kurzen Vortrag über die Arbeit im Affenhaus erzählte Henrich den Besuchern noch zum Schluss seines Vortrags, welche Gemeinheiten unter den Affen herrschen. Der Zoo habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Primaten aus Asien und Afrika aufnehmen müssen und werde der Probleme kaum noch Herr. Es gehe nicht nur um kleine Raufereien aus Futterneid, nein es gäbe echte Brutalität, sogar mit Todesfolge. Viele Tiere, die schon länger im Zoo lebten, wären eingeschüchtert, ja verängstigt.
Eine Woche später war Henrich gefeuert.

Erst Anfang Januar hatte zwar der Tierschutzbund in seiner Hauspostille versucht, eine Debatte zum Thema „Integrationsprobleme unter Affen“ anzustoßen, die aber wurde kurzerhand abgebrochen, nachdem der zuständige Minister das Problem auf das unzureichende Engagement des Zoopersonals abgewälzt hatte.

Henrich hat 20 Jahre Erfahrung als Tierpfleger, arbeitete mit Elefanten, betreute eine Aufzuchtstation für Greifvögel, und hat in Dinkelhammer zweimal Bärennachwuchs aufgezogen. Auch deshalb, sagt er, habe er im Sommer den Job im Zoo von Buntenau bekommen. Der Direktor beauftragte ihn sogar als Organisator für den „Tag der offenen Tür“.

„Die Fütterung im Affenhaus ist für viele Tiere lebensgefährlich, oft auch für die Tierpfleger selbst“, erzählt Henrich.

Fassungslos mache ihn, „wenn ihm von Vorgesetzten vorgeworfen würde, es läge an seiner Ausstrahlung. Er würde neu hinzugekommene Tiere geradezu hassen.“ „Völliger Blödsinn“, sagt Henrich. „Aber ich musste doch Partei ergreifen, wenn die alteingesessenen Tiere im Kampf um Rangordnungen unterliegen.“

Am „Tag der offenen Tür“ berichtete Henrich auch über das kleine Affenmädchen, das tagelang verängstigt in einer Ecke hockte, weil es um seine Mutter trauerte, die von zwei kräftigen neu eingetroffenen Schimpansen brutal getötet worden sei.

Kurz nach seinem Vortrag, so Henrich, sei er von der Zooleitung zur Seite genommen worden. „Der eisige Wind anschließend war direkt zu spüren.“

Eine Woche später teilte ihm die Direktion das Ende der Zusammenarbeit mit. „Eine Begründung wurde nicht genannt, ich war noch in der Probezeit.“

Henrich sieht klar, dass die offenen Worte sein Verhängnis waren. Eine Nachfrage dieser Redaktion beim Zooleiter Ralph Jansen: „Ich möchte nichts dazu sagen.“
Georg Ziemen, Vorsitzender der Freunde des Buntinger Zoos, bestreitet jeglichen Zusammenhang: „Der Kündigung lagen andere Gründe zugrunde, die ich hier nicht nennen werde.“
Eine Sprecherin des zuständigen Beigeordneten der Stadt sagt: „Ich habe keine Ahnung, warum ihm gekündigt wurde, er war nicht Mitarbeiter unserer Behörde.“
Buntenau´s Bildungsstadtrat Dieter Erpel (C.D.U.) erklärte gegenüber der Redaktion, er kenne den Fall nicht und sei im übrigen nicht zuständig.

Henrich sitzt nun auf der Straße, zum ersten Mal in seinem Leben. Er sagt, er sei es den Zoobesuchern schuldig gewesen, die Wahrheit zu sagen. „Das erwartet man doch von mir.“

„Wenn Du wissen willst, wer dich beherrscht, musst Du nur herausfinden, wen Du nicht kritisieren darfst.“ Voltaire (eigentlich François-Marie Arouet, * 21. November 1694 in Paris; † 30. Mai 1778, französischer Philosoph und Schriftsteller. Er ist einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung).

Beitragsfoto: pixabay.com

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